Pflege ist Arbeit
Was Sie tun, ist Arbeit. Mahlzeiten planen, Medikamente richten, Termine koordinieren, trösten, zuhören, nachts wach liegen. Dass Sie kein Gehalt bekommen, macht es nicht kleiner. Studien zeigen, dass pflegende Angehörige in der Schweiz pro Woche zwischen zwanzig und fünfzig Stunden leisten, unsichtbar und unbezahlt.
Dass Sie müde sind, hat also einen Grund. Es ist keine Schwäche, es ist ein Ergebnis von realer Belastung. Das auszusprechen, im Kopf oder gegenüber anderen, ist der erste Schritt, sich selbst fair zu behandeln.
Erschöpfung ernst nehmen
Schlaflosigkeit, Gereiztheit, ein ständiges Gefühl von „nicht genug getan zu haben", Traurigkeit, die länger bleibt als früher: das sind Signale, nicht Charakterschwächen. Wenn Sie morgens schon wissen, dass Sie den Tag nicht schaffen werden, ist das ein klares Zeichen, dass Sie Entlastung brauchen.
Auch körperliche Zeichen zählen: häufigere Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Infekte, ein Kloss im Hals, der nicht weggeht. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Pflegende Angehörige haben das Recht, ebenfalls gut versorgt zu werden.
Hilfe annehmen
Das ist oft das Schwerste. Wer pflegt, will meistens selbst pflegen, aus Liebe, aus Verantwortung, manchmal auch aus alten Abmachungen. Aber Hilfe anzunehmen ist nicht Versagen, sondern Klugheit. Wer durchhält, braucht Entlastung.
Konkret: Spitex für Pflege und Körperpflege, Entlastungsdienste für stundenweise Präsenz, Familienangehörige für Besuche und Einkäufe, Nachbarn für kleine Wege. Eine Liste mit Kontakten finden Sie weiter unten.
Kleine Pausen schützen
Pausen machen Sie nicht erst, wenn gar nichts mehr geht. Sie machen sie vorher. Eine halbe Stunde Spaziergang am Morgen. Ein Kaffee alleine auf dem Balkon. Ein Telefonat mit einer Freundin ohne das Pflege-Thema. Das sind keine Extras, das sind notwendige Unterbrechungen.
Tragen Sie diese Pausen wie einen Termin in den Kalender ein. Ein Termin mit sich selbst ist genauso verbindlich wie ein Arzttermin, nur dass ihn keiner absagt, wenn Sie ihn nicht ernst nehmen.
Selbst essen und trinken
Pflegende vergessen oft selbst zu essen. Zwischen Medikamentenrichten und Telefonat bleibt keine Zeit, der Kaffee ersetzt die Mahlzeit, das Abendessen wird zum Reste-Snack. Das rächt sich auf Dauer.
Stellen Sie sich ein Glas Wasser an jeden Ort, an dem Sie länger sitzen. Machen Sie sich am Morgen einen kleinen Vorrat an Snacks, die Sie zwischendurch greifen können: Nüsse, Obst, ein Joghurt, eine Scheibe Brot mit Käse. Wenn Sie nicht gut versorgt sind, können Sie nicht gut versorgen.